Publikation

Wiederherstellung und Neuschaffung artenreicher Mähwiesen durch Mähgut-Aufbringung

AutorIn

Buchwald R. et al.

Veröffentlichung
2011
Institut
Universität Oldenburg
Quelle
Zur Website
Beschreibung

Die im Projekt gesammelten Daten und Erfahrungen lassen die folgenden Schlussfolgerungen zu:

(1) Wie auf feuchten bis nassen, auf wechselfeuchten und auf (mäßig) trockenen Standorten ist die Mähgut-Übertragung auch auf mittleren, (recht) nährstoffreichen Standorten eine geeignete Maßnahme, um auf vormaligem Intensivgrünland oder Acker eine artenreiche Wiese wiederherzustellen oder neu zu begründen.

(2) Oberbodenabtrag stellt eine wirksame, aber kostenintensive und wenig nachhaltige Maßnahme im Vorfeld des Mähgut-Transfers dar. Entgegen den Erwartungen können große Erfolge auch ohne vorherige Aushagerung des Standorts und ohne Oberbodenabtrag erzielt werden. Die bodenchemische Ausgangssituation beeinflusst den Etablierungserfolg von Pflanzenpopulationen nur unwesentlich, sofern in den Folgejahren nicht oder nur in geringer Menge gedüngt wird. Eine Ausnahme stellen stark entwässerte und damit nährstoffreiche Torfböden (v.a. mit Hochmoorgrünland) dar, auf denen eine Mähgut-Übertragung nur nach Wiederherstellung eines ausgeglichenen Wasserhaushalts oder nach Oberbodenabtrag stattfinden sollte.

(3) Wesentlich für den Übertragungserfolg sind in erster Linie drei Faktoren:

  • der Bodenwasserhaushalt (geringe Erfolge auf entwässerten Torfböden, große Erfolge auf frischen und mäßig trockenen Mineralböden!),

  • der Zeitpunkt des Mähgut-Transfers und –Auftrags

  • die Pflege/Bewirtschaftung in den Folgejahren (incl. Management in den ersten Monaten nach Maßnahme)

(4) Mähgut-Übertragung ist die am stärksten an ökologischen Aspekten orientierte, die billigste und zumeist effektivste Methode, um artenreiche Mähwiesen wiederherzustellen oder neu zu schaffen, aber sie erfordert ein solides geobotanisches Wissen ebenso wie einen hohen logistischen Aufwand. Hierbei ist zu betonen, dass nicht nur Diasporen der Höheren Pflanzen, sondern auch diejenigen von Moosen, Flechten und Algen sowie Eier, Larven und Imagines von kleinen bis mittelgroßen Tierarten mit transferiert werden, was bei keiner anderen gängigen Impfmethode der Fall ist.

(5) Die Kosten belaufen sich für mesophiles Grünland (i.w.S.) im Mittel auf etwa 1000 Euro pro Maßnahme und etwa 1300 Euro pro ha, allerdings ist u.a. wegen der unterschiedlichen Transportkosten und der unterschiedlichen Notwendigkeit von anschließender Pflege (Pflegeschnitte, ggf. Bekämpfung von Problemarten) die Spannweite der zu kalkulierenden Kosten sehr groß. Für die vorbereitende Planung und die Begleitung der Maßnahme (ohne anschließendes Monitoring) durch ein Planungsbüro sind etwa 500 Euro pro Maßnahme anzusetzen.

(6) Ökologie, Logistik und Technik der Mähgut-Übertragung im Grünland sind in den vergangenen 5-10 Jahren vielfältig erprobt worden, dürften aber noch unzureichend sein bei anderen Biotoptypen wie Feucht- und Sandheiden, Borstgrasrasen oder Flügelginsterweiden. Eine wesentliche Aufgabe der kommenden Jahre wird es sein, die bereits bestehenden Kenntnisse in die interessierte Öffentlichkeit zu bringen, um die Mähgut-Übertragung stärker bekannt zu machen für die Praxis des Naturschutzes.